Programmpunkte

Was hat Geld mit Machen und Macht zu tun?

Seit der Gründung 1974 handelt die GLS Bank nach dem Leitsatz „Geld ist für die Menschen da“ und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Geld dahin zu bringen, wo es unter sozialen und ökologischen Kriterien benötigt wird. Die Menschen, die zur Bank kommen, verleihen uns „die Macht“, Menschen mit Krediten zu versorgen, die im Sozialen und Ökologischen wirken. In den letzten Jahren geht die Mehrung des Geldvermögens jedoch immer mehr zu Lasten des Natur- und Sozialvermögens. Die Ungleichheit der Verteilung des Vermögens wächst - die obersten 10% der Bevölkerung in Deutschland besitzen rund zwei Drittel des Gesamtvermögens. Dazu komm, dass sich der Wert des Geldes durch die hohen Geldmengen in den Kapitalmärkten verändert hat. Das reine Zurverfügungstellen von Geld ist gegenüber den Banken keine Leistung mehr. Verliert dadurch das Geld auch an Macht?
Dirk Kannacher ist seit Oktober 2017 Mitglied des Vorstands der GLS Bank. Er verantwortet das Ressort „Privat- und Geschäftskunden“.

Ziviler Ungehorsam heute

Was bedeutet „ziviler Ungehorsam"? Kann er legitim sein? Wenn ja, in welchen Fällen? Diese Fragen stehen heute im Zentrum der politischen Debatte über neue soziale Bewegungen. In diesem interaktiven Workshop werden die ethischen und politischen Aspekte des zivilen Ungehorsams in historischer Perspektive diskutiert.
Eraldo Souza dos Santos lehrt und promoviert am Institut für Philosophie der Universität Panthéon-Sorbonne, Paris. Derzeit schreibt er ein Buch über die Geschichte des zivilen Ungehorsams.

Macht und Herrschaft. Wie sich Staatsgewalt durchsetzt

Die Polizei ist ausgestattet mit dem Recht zur Gewaltausübung (die sog. „Staatsgewalt“). Sie übt nicht nur unmittelbar körperliche Macht (und damit auch Gewalt) aus, sie ist auch ausführendes Organ staatlicher Herrschaft. Von diesen Unterscheidungen ausgehend werden wir erfahren, dass die Gewaltausübung der Polizei vor allem damit legitimiert wird, dass sie mehr Gewalt verhindert. In diesem Vortrag wird es um die Begründungszusammenhänge polizeilicher Machtausübung gehen und auch um ihre Überschreitungen.
Rafael Behr, geb. 1958, ist seit 2008 Professor für Polizeiwissenschaften an der Hochschule in der Akademie der Polizei Hamburg. Er war 15 Jahre Polizist in Hessen und forscht heute über die Kultur der Polizei, über Gewalt und über Formen des abweichendes Verhalten.

Alle Macht dem Volk?! Das Für und Wider direktdemokratischer Politik am Beispiel vom Bürgerrat Klima

Ich wähle. Du wählst. Er/Sie/Es wählt. Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. Wir überschreiben unsere Stimme und damit unsere Macht an einzelne Berufspolitker*innen. Auch die Vereinspolitik der Jugendarbeit funktioniert oft ähnlich. Doch können uns einzelne Menschen wirklich vertreten? Sollten wir nicht eher direkt für uns selber sprechen und so mitbestimmen? In einem Interview erörtern wir das Für und Wider direkter Demokratie. Im Anschluss öffnen wir den Raum, um eigene Vereinstrukturen zu reflektieren und Erfahrungen auszutauschen.
Ferdinand, Ulrike und Judith (balu) eint die Überzeugung, dass nur durch die größtmögliche Beteiligung aller Menschen gemeinsame Entscheidungen an Tragfähigkeit gewinnen. Im Institut für Partizipatives Gestalten (IPG) entwerfen sie im Rahmen von Bürgerbeteiligungsverfahren nachhaltige und sinnvolle Lösungen, wo vorher keine sichtbar waren. Aktuell arbeiten sie in diesem Kontext auch am Bürgerrat Klima.

Korruption - Machtmissbrauch zum eigenen Vorteil!

 "Das ist doch korrupt!" - Klar ist, mit diesem Ausdruck ist nichts Gutes gemeint. Aber was genau bedeutet eigentlich Korruption und warum ist sie so schädlich? Dieser Vortrag bietet eine grundlegende Einführung in die unterschiedlichsten Arten von Korruption und dem damit einhergehenden Machtmissbrauch zum eigenen Vorteil. Anhand aktueller und konkreter Korruptionsfälle - Stichwort "Amthor" und "Masken-Skandal" - werden die schwerwiegenden Schäden für Staat und Gesellschaft dargestellen. Darauf aufbauend werden mögliche Präventionsmaßnahmen angeführt
 Ulrike Fröhling ist ehrenamtlich für Transparency International Deutschland e.V. als Leiterin der Regionalgruppe Hamburg und Schleswig-Holstein und als Leiterin der AG Transparenz in den Medien tätig. Transparency International Deutschland e.V. ist gemeinnützig und politisch unabhängig. Grundprinzipien sind Integrität, Verantwortlichkeit, Transparenz und Partizipation der Zivilgesellschaft. Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein über die schädlichen Folgen der Korruption zu schärfen und Integritätssysteme zu stärken. 

China und die Macht

Blickt man auf das bei uns gängige Bild, so ist die Volksrepublik China einer der stärksten Machtapparate, den die Welt je gesehen hat. Ein Staat, der die Freiheit der Menschen massiv einschränkt. Social Credit Systeme, mit denen unsoziales Verhalten sanktioniert wird ist z.B. eine Schlagzeile, die das Bild von China in Deutschland prägt. Aber wie kommt es, dass ein derart repressives System gleichzeitig so erfolgreich sein kann? 
Steckt noch mehr als Unterdrückung und Propaganda dahinter? Finden viele Chinesinnen und Chinesen es vielleicht sogar gut, dass einer alleine die Macht hat? Was euch erwartet ist ein Impulsvortrag, nach dem viele spannende Fragen aufgeworfen und wenig abschließenden Antworten gegeben sein werden.
Wolfgang Heisel (WoHei) hat Sinologie und Politkwissenschaften studiert und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren beruflich und privat mit chinesischer Politik und den Menschen, die dort leben. Dabei interessiert er sich vor allem auch für die Wahrnehmung Chinas in Deutschland und die Frage, welche Einstellung die Menschen in China zum aktuellen Weltgeschehen haben.

Demokratischer Konföderalismus in Rojava

In diesem Vortrag wird Leyla über das Projekt des Demokratischen Konföderalismus sprechen, das zurzeit in Rojava aufgebaut und realisiert wird. Der Demokratische Konföderalismus ist ein vielversprechendes Gegenmodell zum heutigen Nationalstaatskonstrukt. Während der Nationalstaat Gewalt- und Machtstrukturen beinhaltet, funktioniert der Demokratische Konföderalismus auf der Grundlage von: 
 1. Basisdemokratie, 2. Geschlechterbefreiung, 3. Ökologie, 4. Kritik/Selbstkritik.
    
Leyla beschäftigt sich seit über 9 Jahren aktiv mit dem kurdischen Freiheitsbestreben und organisiert dazu regelmäßig Veranstaltungen, um für diesen Themenkomplex zu sensibilisieren. Über knapp 4 Jahre hinweg organisierte sie Lese- & Diskussionskreise zu der kurdischen Frauenbewegung und zu den dem Demokratischen Konföderalismus zugrundeliegenden Werdegang der kurdischen Freiheitsbewegung. Zudem arbeitet Sie vertieft im Kontext der Jineolojî, der Wissenschaft der Frau.

Machtverhältnisse in Gruppen (Workshop)

Auf welche Machtdynamiken stoßen wir in Gruppen immer wieder? Wer übernimmt welche Aufgaben? Wer spricht und wer hält sich zurück? Wer leitet an und wer führt aus? Oft ist uns nicht bewusst, auf wie vielen Ebenen Macht wirksam ist und wie wir selbst in (gesellschaftliche) Machtverhältnisse eingebunden sind, wenn wir in Gruppen zusammenkommen. Wir werden uns anschauen, auf welchen Ebenen Machtdynamiken stattfinden und wie wir sie aufbrechen und verändern können. Dazu analysieren wir beispielhafte Situationen und Erlebnisse aus unseren eigenen Gruppenerfahrungen und versuchen eine machtkritische Haltung zu entwickeln, um einschränkenden Machtverhältnissen entgegenwirken zu können.
Sophia Zeh ist Teil des Bildungskollektivs kopfstand e.V. in Kassel und arbeitet seit vielen Jahren in der politischen und machtkritischen Bildungsarbeit mit Schwerpunkten auf Anti-Diskriminierung, Klimagerechtigkeit und Feminismus.

(M)Achtsamkeit

Ist Achtsamkeit ein Weg, um auch in Zeiten von Stress, Weltschmerz oder Pandemie Macht über unser Lebensgefühl zurück zu erlangen? Viele Menschen, die Achtsamkeit regelmäßig praktizieren, berichten von ihrer Erkenntnis, dass Glück und Lebensfreude für sie nicht mehr von äußeren Bedingungen abhängig ist. 
Wir wollen in dieser Session ein paar Schritte auf diesem Pfad der Achtsamkeit gehen. Mit Atem-, Bewusstseins- und Meditationsübungen wollen wir uns die Zeit nehmen, in uns und den Moment hinein zu spüren.
Bonni möchte hier vor Allem teilen, was sie in den letzten Jahren als wertvoll erfahren hat, ohne eine besondere Ausbildung oder Ähnliches dafür zu haben. Den Zugang zu der Philosophie und den Übungen bekam sie insbesondere über Yoga.

Ziviler Ungehorsam in der Praxis - ein Einblick in die Klimagerechtigkeitsbewegung

Ziel des Workshops ist es, in die Praxis von Zivilem Ungehorsam einzutauchen. Wir lernen verschiedene Aktionsformen kennen und schauen uns die Rahmenbedingungen an, unter denen Protest in Deutschland
stattfindet. Wie würde eine Aktion aussehen, die ihr plant und was ist wichtig für die gemeinsame Planung und Durchführung? Diese und andere Fragen werden wir zusammen, teils spielerisch, besprechen und auflösen.
Otto ist Aktivist, Aktionstrainer des Netzwerks Skillsforaction und seit mehreren Jahren im Bündnis Ende Gelände organisiert. Im März war er mit seiner Bezugsgruppe in Calais, um mehr Aufmerksamkeit auf die
menschenverachtenden Bedingungen von Geflüchteten zu lenken und Unterstützungarbeit in solidarischen Strukturen dort zu leisten.

Wie kann die Wirtschaftspolitik von morgen aussehen?

Wir müssen unsere Wirtschaft auf Klimaneutralität umstellen. Das kostet Geld, viel Geld. Was kann sich der Staat leisten? Eine Einführung in die Modern Monetary Theory!
Maurice Höfgen ist Ökonom, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag und Autor des Buches „Mythos Geldknappheit“.